Ausstellungen, schöne Kunst

Viel Neues in Kisten, Kästen und Schubladen – David Kampfmeier

David Kampfmeier, Künstler aus Schwarzenbach/Saale macht ganz originelle Kunst. Er ist Sammler, Kombinierer und humorvoller Gestalter von ganz wundervollen Kunstwerken.

In Münchberg stellt er im November 2013 nicht nur seine Kisten, Kästen und Schubladen aus, sondern gibt auch mit Texten Hinweise zu seiner Kunst. Hier deshalb der Künstler über viel Neues – in Bild und Wort:

David Kampfmeier: geh doch mal ins Netz!
David Kampfmeier: geh doch mal ins Netz!

Such dich (Geh doch mal ins Netz)

Hier bilden ebenfalls aufgeklebte Ausschnitte aus der Zeitschrift „Neue Revue“ von 1980 die Grundlage des Bildes. Jedoch handelt es sich diesmal um gemalte Witze mit leicht anzüglichem Charakter. Eine weisse Tapete mit roten Herzen bedeckt die untere Bildhälfte. Neben einem Wasserbett sprechen zwei Personen miteinander. Während der eine meint: „Geh doch mal in’s Netz, vielleicht klappt’s?“ steht links schon der Text für das Inserat – „Ich sechzig, lach über gute Witze, bin auch gerne nur mit mir zusammen und such Dich, um nicht ganz allein zu sein“.

David Kampfmeier: Pimpmund II
David Kampfmeier: Pimpmund II
David Kampfmeier: Menschen im Müll
David Kampfmeier: Menschen im Müll
David Kampfmeier: Rucksackjunge trifft Rucksackmädchen
David Kampfmeier: Rucksackjunge trifft Rucksackmädchen

Das zentrale Werk dieser Ausstellung ist „Die letzte Fuhre“. Leider ist hier nur das Pferd und nicht der Wagen zu sehen. Ein Grund mehr, sich die Ausstellung anzuschauen 😉

David Kampfmeier: Die letzte Fuhre
David Kampfmeier: Die letzte Fuhre

Die letzte Fuhre

Ein Pferd ist vor einen Karren gespannt (hier im Foto allerdings nur das Pferd zu sehen. Anm. H. Hohenberger). Es hat keinen Kontakt zum Boden und scheint dennoch seine Last zu ziehen. Die nagehängte, alte Handkarre trägt seine letzte Ladung Bücher. Ganz am Ende ist noch ein Verbotsschild angehängt. Die Skulptur ist ein Abgesang des gedruckten Wortes zu Gunsten einer, zukünftig, rein digitalen Welt. Sie symbolisiert aber auch andere, nebativ beschleunigte, Veränderungen durch die weltweite Globalisierung der letzten Jahre. Die intensiven und in der Regel rapiden Veränderungen und Verluste im Tierreich und in der Fauna. Der gesamte Planet Erde wird unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgebeutet und zumindest als Lebensraum für die Menschheit zunehmend zerstört. So wird der Zug letztlich auch zu einer symbolischen Beerdigung der Menschheit.

Das alte Spielpferd steht ebenso, wie das Untergestell eines Kinderwagens, für Jungen. Die Umgebung des Pferdes ist verlockend bunt, überall ist Kinderspielzeug angebracht. Dieses symbolisiert die Vergänglichkeit und adaptiert die Idee des antiken Prunkwagens Es sind Handys ebenso zu sehen, wie eine in einem schreinartigen Korb liegende, verlockend geschmückte, Fernbedienung.
Das Pferd trägt Kopfhörer, die es scheinbar akkustisch von der Außenwelt ausschließt. Im Mund trägt es eine Trillerpfeife mit der es den „Ton“ angeben kann. In ein scher lastendes Gewicht für Pendelwaagen ist der hölzerne „Handwagen“ eingehängt. Seine Ladung sind Buchstapel. Die Bücher sind allesamt im gleichen Grauton gestrichen. Ihr Inhalt scheint nicht von Bedeutung zu sein; scheint von jetzt ab unwichtig. Im Gegensatz zum Vorderteil der Skulptur scheint hinten alles trist und monoton. Zu letzt steht auf dem hinten angehängten Schild „Bitte nicht berühren – frisch aufgelegt“ stat des ursprünglichen „Bitte nicht betreten – frisch aufgesät“ geschrieben.

Die wirklich sehenswerte und inspirierende Ausstellung von David Kampfmeier im Bürgerzentrum Münchberg, organisiert vom AK-Kunst, 10. november bis 8. dezember 2013.

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