schöne Kunst

„visual theft“ und Keramik Kunst

Wenn ich meine Kunstkeramik-Arbeiten anschaue frage ich mich oft: woher kommen die Formen und Farben?

Muster auf Raku Vase
Muster auf Raku Vase
Vielleicht denken Sie jetzt: dumme Frage, aus Margit’s Kopf und ihren Händen. Eh klar. Aber ist es nicht auch so, dass viele Elemente Zitate sind, anderen Orts oder anderer Künstler Köpfe und Herzen entsprungener Ideen? War nicht alles schon einmal da? Sind nicht die Figuren (neudeutsch aber treffend) Mashups, Zusammenstellungen bereits Dagewesenen?

Bin ich also ein Teil, eine Nutznießerin jener Telemetrie, jener Gedankenübertragung derer wir alle ausgesetzt sind (durch das Internet noch weit mehr als bisher)? Und deshalb besteht meine künstlerische Leistung auch aus dem Beobachten und Zusammentragen, dem Erschaffen und dann dem Teilen, durch die Arbeiten selbst, aber auch durch die Fotos.

Der Evolutionsbiologe Marc Pagel, sagt in einem inspirierenden Vortrag auf ted.com: „social learning is visual tehft“. (Soziales Lernen ist visueller Diebstahl).

Ich finde das bemerkenswert, denn gerade in Zeiten des Internets geht das „Teilen“ (und auch Nutzen) von Ideen so unglaublich schnell, dass man oft gar nicht mehr weiß, was man wo gesehen hat. Und so multipliziert sich die Geschwindigkeit des sozialen Lernens durch Kopien, Zitate und Kombinationen. Ich finde das unglaublich spannend.

Raku Vase von Margit Hohenberger
Raku Vase
von Margit Hohenberger
Oft erkenne ich in meinen Arbeiten später Anspielungen von anderen Künstlern. Oder Ergebnisse von bewusstem Lernen: Brenntechnik, Glasuren, Materialkunde. Vieles davon habe ich aus Büchern (auch „visual theft“?!), aus Gesprächen und oft auch vom Schauen im Internet. Die Facebook-Seite „keramici“ – erstellt von jungen Keramik Enthusiatsten sammelt und „neuveröffentlicht“ (teilen) Fotos von Kunstwerken und machen sie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Und ich bin oft so erstaunt, welch schöne Sachen auf der Welt geschaffen werden. Das inspiriert mich (visual theft?) und sicher auch andere. Denn manchmal erkenne ich auch meine Arbeiten in den Arbeiten anderer 🙂 So be. Meine Arbeiten gehören ja sowieso irgendwie nicht mir. Sowenig wie die Luft die ich atme.

Das wollte ich einmal so vor mich hin geschrieben haben.

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